Die kindliche Freude wiederentdecken

Während der erste Schnee der Saison vor dem Fenster fällt, scrolle ich durch meine Social-Media Timelines. Noch mehrere Tage nach der ersten Aegean Trails Conference posten die Teilnehmer wie wild, verlinken, informieren und tauschen sich aus. So in etwa stelle ich mir die Beginne des Mountainbikens in Deutschland vor, nur ohne Social Media. Was mir die Teilnehmer und vor allem die Locals wieder einmal eindrücklich zeigten war die kindliche Freude am Biken, die Gemeinschaft und der pure Enthusiasmus.

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Im März diesen Jahres flog Ernesto Hutmacher, der Gründer von Massa Vecchia mit seiner Trailcrew in die Ägäis um die Locals beim Trailbau zu unterstützen und so einen Stein ins Rollen zu bringen für eine touristische, aber auch regionale Weiterentwicklung der Region. Seine Vision ist dabei solidarisch und kooperativ, und eben so sind die Locals vor Ort. Der junge Goldschmied zeigte uns nach der Konferenz mit seiner Mud Turtles Crew seine Trails. Unendlich stolzen erzählen sie jedes noch so kleine Detail vom Bau, von ihrer Insel und ihrer Gemeinschaft. Wir gehen gemeinsam Essen, immer dem Anlass entsprechend das perfekte Lokal. Sie sind engagiert im alternativen Kulturleben der Insel, kümmerten sich um Flüchtlingshilfe als es noch keine NGOs in die Ägäis zog. Es ist klar, dass die Abende hier lang sind. Denn mit Arbeit und ehrenamtlichem Engagement wäre die Zeit für Freunde sonst begrenzt. Am Einstieg des Trails ein paar Worte zu Verlauf und schon stürzen sie sich hinab. Mit einem Grinsen im Gesicht, mit unbändigem Spaß auf dem was sie selber gebaut haben. Es geht ihnen darum eine gute Zeit zu haben auf ihren Trails, sie wollen Spaß haben und sie wollen diesen Spaß teilen. Es gibt keine versteckten Wege, sie sind vollkommen offen und vor allem sind sie unglaublich dankbar. Dankbar dafür, dass Ernesto gemeinsam mit Inselhüpfen kam und sie unterstützte. Für sie ist das Mountainbiken etwas Verbindendes geworden, über die Grenzen der Ägäis-Inseln hinweg, über Ländergrenzen hinweg nach Deutschland, Italien, die Türkei und die Schweiz. Es ist eine Option für diese Inseln sich abseits von Massentourismus zu entwickeln, sich mit der Bevölkerung gemeinsam zu entwickeln. Ein solidarischer Weg.

Ein Trailnetzwerk verbindet nicht nur Plätze, sondern vor allem Menschen.

Ich bin dankbar dort dabei gewesen zu sein. Ein Austausch, neue Ideen und vor allem die Erinnerung daran was Mountainbiken immer auch bedeutet. Das Teilen von Erlebnissen, Zeit und Gedanken. Mountainbiken auf Kos ist kein runterschrubben von Trailkilometern. Es ist eine Reise gemeinsam mit Locals, ein Philosophieren, ein Fahren, ein Unterwegssein, vor allem aber auch ein Genießen und das Gewahrwerden einer Dankbarkeit mit einer solchen Beschäftigung seine Zeit auszufüllen.

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